Harter Tourismus
Wer sich heute mit den Erscheinungen des Tourismus beschäftigt oder selbst als Tourist unterwegs ist, stößt schnell auf einen Begriff: Harter Tourismus. Was ist „Harter Tourismus“? Bin ich ein „harter“ Tourist?Wer denkt da nicht sofort an `rücksichtslos´ oder `gnadenlos´? Mal ehrlich: wer ist schon gern rücksichtslos? Oder gnadenlos?
Harter Tourismus kann nicht gut sein
Und doch hat der Begriff mit diesen beiden Eigenschaften zu tun. Nur nimmt man hier nicht Bezug auf den einzelnen Touristen, sondern auf die Gesamtheit aller Reisenden und die Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung und deren Umwelt. Es geht hier um den Massentourismus. Da schwant dem heutigen, aufgeklärten Touristen sofort Böses: Harter Tourismus kann nicht gut sein! Wer möchte schon mit seiner Reise dazu beitragen, dass Wiesen und Felder zum Ausbau einer Hauptverkehrsstraße oder Landebahn eingeebnet und Biosphäre zerstört wird? Gerade die Natur möchte man doch genießen! Und möglichst schnell, man hat nicht viel Zeit! Wie gelangt man denn am schnellsten zu den attraktivsten Orten? Per Auto, Bahn, Bus oder Flugzeug! Was kümmern einen da die Massen, die mitreisen!Wer möchte schon in einem schmutzigen See oder Meer baden? Was soll man tun, wenn das Hotel seine Kloake mangels Kanalisation einfach ins Meer leitet, keine Papierkörbe aufstellt oder die gesamte Nachbarschaft mit Discomusik beschallt? Einspruch erheben? Die Plastiktüten am Strand wegsammeln? Den Urlaub abblasen? Man selbst ist ein sauberer Tourist! Warum sollte man für die Verfehlungen anderer im Urlaub mitverantwortlich sein?
Harter Tourismus ist ein hart umkämpfter Preis
Wer möchte schon auf einer buckligen, schwer erreichbaren Skipiste da hin hüpfen?Im Urlaub braucht man Ruhe und Entspannung! Was kümmert es, wenn die Piste im Sommer tot daliegt? Man ist im Winter da! Eine Safari? Die kostet Geld und viel hat man davon nicht mitgebracht! Da lassen es schon mal die Gewinnspannen der Hotels nicht zu, den Kellner in einem schönen Zimmer unter zu bringen und so wohnt er gleich in den Slums um die Ecke! Auf schöne Souvenirs verzichten? Was soll man tun, wenn die Souvenirbranche fest in der Hand der Hotels liegt? Warum fällt den Einheimischen nichts ein?! Harter Tourismus erscheint unsozial und umweltfeindlich.
Doch, wenn es so einfach wäre, gäbe es in einer Zeit zunehmenden Umweltbewusstseins keinen Massentourismus mehr.
Eine andere Erscheinung bricht sich Bahn: sanfter Tourismus. Nur, ist auch er zum Massentourismus verdonnert?
Man möchte meinen, es sei beinahe schon unausweichlich: Tourismus führt immer zum Harten Tourismus.
Schließlich möchte jeder seinen Urlaub so gut und günstig genießen, wie es geht, man hat das Jahr über hart dafür gearbeitet. Warum also nicht auf den Spuren von Thomas Cook, dem Erfinder des Pauschaltourismus, wandeln und alles dem Einfallsreichtum der Veranstalter überlassen?